In der Schwartau, dem Vereinsgewässer des ASV Bad Schwartau, hat sich kürzlich ein fatales Fischsterben ereignet. Nach bisherigen Erkenntnissen gelangten in der Nacht zum 20. Juni mehr als 100 Liter Zuckerrübenmelasse vom Gelände eines Futtermittelbetriebes in das Fließgewässer. In der Folge sank der Sauerstoffgehalt im Wasser erheblich. Zahlreiche Fische und andere Wasserorganismen verendeten daraufhin.

Das Bild besteht aus zwei Aufnahmen. Links stehen zwei Mitarbeitende in Watbekleidung in einem flachen Abschnitt der Schwartau. Zwischen Wasserpflanzen und größeren Steinen führen sie eine Elektrobefischung zur Bestandsaufnahme durch. Das klare Fließgewässer wird von dichtem Uferbewuchs und Bäumen umgeben. Rechts ist eine junge Bachforelle in einem Kescher zu sehen. Der silbrig gefärbte Fisch mit den typischen roten Punkten liegt teilweise im Wasser und wurde im Rahmen der Befischung schonend gefangen. Die Gegenüberstellung verdeutlicht die wissenschaftliche Erfassung von Fischbeständen als Grundlage für Gewässerschutz, Monitoring und fischereiliche Bewirtschaftung.
Ohne die Mitglieder des ASV Bad Schwartau wäre dieses Unglück wohl kaum bemerkt und dokumentiert worden.
Fotos: ASV Bad Schwartau

Betroffen ist insbesondere der Abschnitt zwischen Hobbersdorf und Groß Parin. Dort wurden zunächst Hunderte, später mindestens tausend tote Fische gemeldet. Nach Einschätzung des ASV Bad Schwartau ist der Schaden deutlich größer. Viele Tiere treiben nicht an der Oberfläche, sondern liegen am Grund, verdriften oder werden rasch von anderen Tieren gefressen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung und eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die genaue Ursache und der Ablauf des Eintrags müssen nun lückenlos aufgeklärt werden.

Ein ökologischer Schaden mit langfristigen Folgen

Für die Schwartau ist dieses Ereignis mehr als ein lokaler und kurzfristiger Zwischenfall. Da der Sauerstoffgehalt auf einer längeren Fließstrecke auf nahezu null gesunken war, starben nicht nur Fische. Auch Kleintiere, Insektenlarven, Muscheln, Krebse und andere Organismen, die im Gewässer leben, können bei einem solchen Unglück verenden – ein massiver Eingriff in das Ökosystem. Dadurch fehlt anschließend ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage für Jungfische, Vögel und viele weitere Arten.

Die Folgen eines solchen Ereignisses lassen sich deshalb nicht allein an der Zahl der verendeten Fische festmachen. Entscheidend ist, wie stark die Lebensgemeinschaft im betroffenen Abschnitt geschädigt wurde und über welche Länge sich die Schädigung erstreckt. Je länger der geschädigte Fließabschnitt ist, desto länger dauert oftmals auch seine Regeneration.

Nahaufnahme eines kleinen toten Fisches, eines Steinbeißers, auf einer geöffneten Hand vor dem Hintergrund der Schwartau.
Auch zahlreiche Kleinfische verendeten, hier ein geschützter Steinbeißer. Foto: (C) ASV Bad Schwartau
Geborgener Krebs: Ein kleiner Krebs liegt auf einem schwarzen Schutzhandschuh über dem Wasser.
Bei der Schadensaufnahme wurden auch Krebse geborgen.
Foto: (C) ASV Bad Schwartau

Jahrelange Arbeit des ASV Bad Schwartau gefährdet

Besonders bitter ist das Fischsterben, weil an der Schwartau seit Jahren mit großem Einsatz für bessere Fischbestände und naturnahe Lebensräume gearbeitet wird. So wurde der betroffene Gewässerabschnitt unterhalb der Hobbersdorfer Mühle erst kürzlich für 4,5Millionen aufwendig renaturiert. Der ASV Bad Schwartau setzt sich zudem seit langer Zeit ehrenamtlich für die Pflege und Entwicklung des Gewässers ein. Der Verein investiert Mitgliedsbeiträge, Fachwissen und viele Arbeitsstunden in den Schutz des Gewässers, in die Artenerhaltung und in die Wiedereinbürgerung heimischer Fischarten – und das obwohl der Fischfang auf der renaturierten Strecke vorübergehend verboten wurde.

Ein Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Meerforelle. Über Jahrzehnte war diese Fischart in der Schwartau weitgehend verschwunden. Der ASV hat mit viel Ausdauer daran gearbeitet, die Meerforelle wieder im Schwartausystem zu etablieren. Dazu gehören die Gewinnung und Erbrütung von Eiern, der Besatz geeigneter Gewässerabschnitte mit Jungfischen, Kontrollen der Bestandsentwicklung und vor allem die Verbesserung der Lebensräume.

Verendete Fische im Uferbereich Blick auf den flachen, steinigen Uferbereich der Schwartau; mehrere tote Fische liegen im Wasser und am Ufersaum.
Verendete Fische im flachen Uferbereich der Schwartau. Foto: (C) ASV Bad Schwartau
Die Sauerstoffmessung am 20. Juni 2026 zeigt nur 0,002 Milligramm pro Liter bei 17,0 Grad Celsius. Foto: (C) ASV Bad Schwartau

Die Anlage von Kiesbänken ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit. Bereits in den vergangenen Jahren hatten Mitglieder des ASV Bad Schwartau Kiesbetten mit erheblichem persönlichem Einsatz von Hand angelegt und vergrößert. 2023 wurden mit Unterstützung des LAV-Artenschutzfonds und des Bootsanglerclubs in zwei Bereichen der Schwartau insgesamt 80 Tonnen Kies eingebracht. Diese Kiesflächen dienen Kieslaichern als Laichplätze und schaffen zugleich Lebensraum für zahlreiche Kleinstlebewesen. Genau solche Maßnahmen sind entscheidend, damit Fließgewässer wieder produktive, artenreiche Lebensräume werden.

Diese Aufbauarbeit wird durch das aktuelle Fischsterben massiv zurückgeworfen. Betroffen sind auch die jungen Meerforellen – und zwar nicht nur einzelne Fische, sondern möglicherweise mehrere Jahrgänge und damit ein Teil des mühsam wiederhergestellten natürlichen Potenzials der Schwartau. Besonders schmerzlich ist, dass erst im Frühjahr wieder junge Fische und gefährdete Kleinfischarten in die Schwartau eingebracht wurden.

Aufklärung und Vorsorge

Der LAV-SH erwartet, dass die zuständigen Behörden den Vorfall vollständig aufklären und dass die Verantwortlichen für den ökologischen Schaden zur Verantwortung gezogen werden.

Wichtig ist zudem, dass vergleichbare Einträge künftig verhindert werden. Gewässer wie die Schwartau sind keine Entwässerungssysteme, sondern Lebensräume. Wer in ihrer Nähe produziert, lagert oder mit gewässergefährdenden Stoffen arbeitet, trägt eine besondere Verantwortung. Betriebsabläufe, Sicherungssysteme, Abflüsse und Notfallkonzepte müssen so gestaltet sein, dass Einträge in das Fließgewässer zuverlässig ausgeschlossen sind.

Bergung verendeter Fische: Ein Mann in Wathose hält am Ufer einen Kescher mit vielen toten Fischen; davor steht ein schwarzer Eimer.
Die Vereinsmitglieder bergen und dokumentieren die verendeten Fische.
Foto: (C) ASV Bad Schwartau
Geborgene tote Fische Nahaufnahme zahlreicher toter kleiner und mittelgroßer Fische, die auf grünem Gras ausgebreitet wurden.
Nur ein Teil der geborgenen Fische aus dem betroffenen Abschnitt.
Foto: (C) ASV Bad Schwartau

Nichts geht ohne das Ehrenamt vor Ort

Ohne den ortsansässigen Angelverein wäre dieses Unglück möglicherweise gar nicht erkannt worden – ein Umstand, das sich an vielen unserer Fließgewässer zeigt. Obwohl der Verein die betroffene Strecke aufgrund der Renaturierung vorübergehend anglerisch nicht nutzen darf, haben seine Mitglieder einen Blick für die Entwicklungen auf der Strecke, erfüllen ehrenamtlich die Arbeit, die anderswo von Rangern erledigt wird. 

Unmittelbar nach der Entdeckung des Fischsterbens dokumentierten die Mitglieder des ASV Bad Schwartau den Schaden und bargen tote Fische. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wertvoll die Arbeit der Angelvereine für den Gewässerschutz ist. Sie sind regelmäßig vor Ort, kennen ihre Gewässer und übernehmen Verantwortung weit über die eigentliche Angelei hinaus.