
Fotos: Marcel Müller / KSFV NMS
Der Großbrand eines Lagerhallenkomplexes in der Wrangelstraße in Neumünster-Wittorf hat möglicherweise auch die angrenzende Schwale belastet. Das Feuer war am Morgen des 30. Juni 2026 ausgebrochen. In den Hallen befanden sich unter anderem zahlreiche akkubetriebene Geräte, wodurch sich die Brandbekämpfung besonders aufwendig und langwierig gestaltete.
Update 28.07.2026
Update zur Schwale: Mehrere Fischarten bei Elektrobefischung nachgewiesen

Nach dem Großbrand an der Wrangelstraße in Neumünster und dem festgestellten Fischsterben haben wir über die möglichen Auswirkungen auf die Schwale berichtet. Um einen ersten Eindruck vom Fischbestand nach dem Ereignis zu gewinnen, wurde am 9. Juli 2026 eine Elektrobefischung an zwei Abschnitten des Gewässers durchgeführt.
Untersucht wurden eine rund 100 Meter lange Strecke bei der Helmoldstraße, etwas unterhalb der Brandstelle, sowie ein etwa 150 Meter langer Abschnitt nahe der Mündung der Schwale in die Stör. Die gefangenen Fische wurden nach Art, Anzahl und Länge erfasst und anschließend schonend in das Gewässer zurückgesetzt.
Forellen und weitere Fischarten nachgewiesen
In beiden untersuchten Abschnitten wurden mehrere Fischarten und unterschiedliche Altersklassen nachgewiesen. Besonders häufig waren Forellen:
- Im mündungsnahen Abschnitt wurden 148 Forellen erfasst. Etwa zwei Drittel davon waren Jungfische aus dem Frühjahr 2026.
- In der Strecke bei der Helmoldstraße wurden 76 Forellen nachgewiesen. Rund die Hälfte waren Jungfische aus 2026.

Darüber hinaus wurden unter anderem Aale, Gründlinge, Elritzen, Dreistachlige Stichlinge und Zwergstichlinge gefangen. Besonders bemerkenswert war der Nachweis zahlreicher Querder – der im Gewässergrund lebenden Larven von Bach- oder Flussneunaugen. Auch zwischen den beiden Befischungsstrecken wurden Schwärme von Gründlingen und Elritzen beobachtet.
Die am Befischungstag gemessenen Wasserwerte lagen bei einer Temperatur von 14,7 Grad Celsius, einem Sauerstoffgehalt von 8,5 Milligramm pro Liter, einer Sauerstoffsättigung von 85 Prozent und einem pH-Wert von 7,9 – erwartbare und für das Gewässer normale Ergebnisse. Diese Messungen stellen allerdings lediglich eine Momentaufnahme vom 9. Juli dar. Sie erlauben keine Aussage darüber, wie sich die Wasserqualität während der Löscharbeiten entwickelt hat oder ob zeitweise Schadstoffe ins Gewässer gelangt sind.
Ermutigendes Ergebnis, aber keine Entwarnung
Die Befischung zeigt, dass in beiden untersuchten Abschnitten weiterhin eine Fischartengemeinschaft vorhanden ist. Erfreulich sind insbesondere die Nachweise zahlreicher junger Forellen, die empfindlich auf eine Änderung der Wasserqualität reagieren. Die Ergebnisse liefern damit keine Hinweise auf einen vollständigen Ausfall des Fischbestandes im untersuchten Bereich.
Eine abschließende Bewertung der Folgen des Brandes und der Löscharbeiten ist auf dieser Grundlage jedoch nicht möglich. Unstrittig ist, dass es zumindest örtlich zu einem Fischsterben gekommen ist. Dessen genaues Ausmaß lässt sich nachträglich nicht mehr feststellen. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Fische nach dem Ereignis aus oberhalb gelegenen, möglicherweise weniger oder nicht betroffenen Gewässerabschnitten eingewandert sind.
Die einmalige Elektrobefischung gibt vor allem Auskunft darüber, welche Fischarten und Größenklassen am Untersuchungstag vorhanden waren. Mögliche gesundheitliche oder zeitverzögerte Beeinträchtigungen einzelner Tiere, Veränderungen bei wirbellosen Wasserorganismen sowie langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem können daraus nicht abgeleitet werden.
Für ein belastbareres Gesamtbild müssen daher auch die chemischen Untersuchungen sowie weitere gewässerökologische Ergebnisse einbezogen werden. Wir werden die Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen und berichten, sobald zusätzliche gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Die wichtigsten Fakten zur Belastung der Schwale
- Fischsterben festgestellt: Im Umfeld der Brandstelle wurden mehrere verendete Forellen gefunden. Das genaue Ausmaß des Fischsterbens ist bislang nicht bekannt.
- Lebende Fische weiterhin vorhanden: Während des Brandes und auch einige Tage später wurden im betroffenen Bereich lebende Fische beobachtet, vermutlich Elritzen und Gründlinge.
- Ökologisch wertvoller Gewässerabschnitt: Die Schwale ist dort gut strukturiert und dient unter anderem als Laich- und Aufwuchsgebiet für Meerforellen.
- Große Wasserentnahme: Während der Löscharbeiten wurden zeitweise bis zu 130 Liter Wasser pro Sekunde aus der Schwale entnommen.
- Löschwasser gelangte teilweise zurück: Ein Teil des entnommenen Wassers verdampfte, ein anderer Teil floss als potenziell belastetes Löschwasser zurück in die Schwale. Ein Verdünnungseffekt durch zusätzliches Frischwasser trat daher nicht ein.
- Auffälliger pH-Anstieg: Der pH-Wert stieg während der Löscharbeiten zeitweise auf Werte zwischen 9 und 10 und lag damit deutlich im basischen Bereich. Solche schnellen Veränderungen können für empfindliche Fischarten kritisch sein.
- Sauerstoffwerte unauffällig: Die gemessene Sauerstoffsättigung lag bei etwa 75 Prozent und damit in einem für die Jahreszeit erwartbaren Bereich.
- Lithium und Schwermetalle im Fokus: Aufgrund der im Brandobjekt vorhandenen Akkus wird untersucht, ob Lithium, Schwermetalle oder weitere Schadstoffe in die Schwale gelangt sind.
- Laboranalysen laufen: Wasserproben von mehreren Stellen sowie eingefrorene Fische werden untersucht. Die Ergebnisse stehen noch aus.
- Weitere Untersuchungen geplant: Eine Elektrobefischung soll den aktuellen Fischbestand erfassen. Zusätzlich lässt die Stadt Neumünster eine Saprobienuntersuchung durchführen, bei der wirbellose Kleintiere als Anzeiger für den Gewässerzustand untersucht werden.
- Mögliche Weiterleitung in die Stör: Da die Schwale wenige Kilometer unterhalb der Brandstelle in die Stör mündet, muss auch überprüft werden, ob belastende Stoffe weitertransportiert wurden.
Verendete Forellen in einem wertvollen Gewässerabschnitt
Mitglieder der anliegenden Angelvereine und des Kreissportfischerverbandes Neumünster waren zeitnah an der Schwale und entdeckten dort leider mehrere verendete Forellen. Einige der Fische wurden sichergestellt und für eine spätere Laboruntersuchung eingefroren. Der LAV-SH wird diese Fische zu diesem Zwecke an das Landeslabor übergeben.
Das genaue Ausmaß des Fischsterbens lässt sich nicht bestimmen. Während des Brandes konnte unser Mitarbeiter Mattias Hempel im Bereich der Löscharbeiten ebenfalls tote Fische sehen, flussabwärts der Brandstelle jedoch auch lebende Fische beobachten, vermutlich Elritzen und Gründlinge. Auch einige Tage später wurden im Bereich der zuvor gefundenen toten Forellen wieder lebende Fische gesehen. Von einem vollständigen Zusammenbruch des Fischbestandes kann daher nach derzeitigem Kenntnisstand nicht gesprochen werden.
Dennoch sind die Funde besorgniserregend. Die Schwale ist im betroffenen Bereich ein gut strukturiertes kleines Fließgewässer und besitzt eine wichtige Funktion als Laich- und Aufwuchsgebiet für Meerforellen. Gerade Forellen reagieren empfindlich auf plötzliche Veränderungen der Wasserchemie.
Große Mengen Löschwasser aus der Schwale entnommen
Während der intensiven Löscharbeiten wurden zeitweise bis zu 130 Liter Wasser pro Sekunde aus der Schwale entnommen. Ein Teil dieses Wassers verdampfte im Feuer, ein anderer Teil gelangte als Löschwasser wieder zurück in das Gewässer. Da das eingesetzte Wasser zuvor aus der Schwale entnommen worden war und ein Teil davon verloren ging, entstand kein Verdünnungseffekt durch zusätzlich zugeführtes Löschwasser.
Nach Angaben der Stadt und der beteiligten Einsatzkräfte wurde versucht, belastetes Löschwasser zurückzuhalten. Das Technische Hilfswerk errichtete unter anderem Sperren aus Sandsäcken, und größere Mengen wurden in Abwasserschächte geleitet. Dennoch ließ sich ein Eintrag in die unmittelbar angrenzende Schwale offenbar nicht vollständig verhindern.
Bei einem Brand dieser Größenordnung ist zunächst kaum absehbar, welche Stoffe mit dem Löschwasser aus den Gebäuden und dem Brandschutt ausgewaschen werden. Wegen der zahlreichen gelagerten Akkugeräte muss insbesondere geprüft werden, ob Lithium, Schwermetalle oder andere Bestandteile von Lithium-Ionen-Akkus in das Gewässer gelangt sind. Untersuchungen zu vergleichbaren Batteriebränden zeigen, dass Löschwasser unter anderem Lithium, Nickel, Mangan, Kobalt, Aluminium und weitere Stoffe enthalten kann. Dabei wurden je nach Brandverlauf sowohl saure als auch stark basische pH-Werte festgestellt.
Auffälliger Anstieg des pH-Wertes
Während der Löscharbeiten wurden der Sauerstoffgehalt und der pH-Wert der Schwale regelmäßig kontrolliert. Die Sauerstoffsättigung lag bei etwa 75 Prozent und war damit für das Gewässer und die aktuelle Jahreszeit zunächst unauffällig.

Fotos: Marcel Müller / KSFV NMS
Anders entwickelte sich der pH-Wert. Zu Beginn lagen die Messwerte noch im normalen Bereich. Im Laufe der Löscharbeiten stiegen sie jedoch deutlich an und erreichten zeitweise Werte zwischen pH 9 und 10. Damit war das Wasser vorübergehend stark basisch.
Solche Werte können für empfindliche Fischarten problematisch werden. Entscheidend sind dabei nicht nur die Höhe des pH-Wertes, sondern auch die Dauer der Belastung, die Geschwindigkeit des Anstiegs sowie mögliche Wechselwirkungen mit weiteren Schadstoffen. Bei länger anhaltenden Werten zwischen pH 9,5 und 10 können unter anderem Kiemen, Haut und Augen von Fischen geschädigt werden.
Ein Zusammenhang mit ausgetretenen Batterieinhaltsstoffen ist denkbar. Bei Bränden von Lithium-Ionen-Akkus können im Löschwasser lösliche Metallhydroxide und andere alkalische Verbindungen auftreten. Auch die Bildung von Lithiumhydroxid kommt als mögliche Erklärung für einen basischen pH-Wert infrage. Ob dies tatsächlich die Ursache für den Anstieg in der Schwale war, ist bislang jedoch nicht belegt und muss durch die Laboranalysen geklärt werden.

Fotos: Marcel Müller / KSFV NMS
Umfangreiche Untersuchungen laufen
Neben den unmittelbar vor Ort bestimmten Parametern wurden an mehreren Stellen Wasserproben für weitergehende Laboranalysen entnommen. Untersucht werden verschiedene Stoffgruppen, wobei Lithium und Schwermetalle besonders im Fokus stehen. Die Ergebnisse dieser Analysen werden zeitnah erwartet.
Erfreulich ist, dass spätere Kontrollmessungen der Stadt wieder unauffällige pH-Werte zwischen 7,0 und 7,4 ergaben. Zudem wurden weiterhin wirbellose Kleintiere wie Insektenlarven, Würmer, Schnecken und Krebse in der Schwale gefunden. Nach Einschätzung der Stadt spricht dies gegen eine dauerhaft anhaltende Beeinträchtigung der Wasserqualität. Damit sind die Ursache des Fischsterbens und die möglichen Auswirkungen auf den Fischbestand sowie dessen Gesundheitszustand allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Gemeinsam mit dem KSFV Neumünster führen wir deshalb in diesen Tagen eine Elektrobefischung durch. Sie soll zeigen, welche Fischarten und Altersklassen in dem betroffenen Abschnitt noch vorhanden sind und ob sich auffällige Bestandsveränderungen erkennen lassen.
Zusätzlich wird die Untere Wasserbehörde der Stadt Neumünster eine Saprobienuntersuchung veranlassen. Dabei wird die Zusammensetzung der wirbellosen Kleintiere auf und im Gewässergrund untersucht. Bestimmte Insektenlarven, Schnecken, Würmer und Kleinkrebse reagieren unterschiedlich empfindlich auf Gewässerbelastungen. Ihre Artenzusammensetzung liefert daher wichtige Hinweise auf den ökologischen Zustand und insbesondere auf mögliche Belastungen des Gewässers.
Erst das Zusammenspiel aus chemischen Laboranalysen, labortechnische Untersuchungen der verendeten Fische, Fischbestandsuntersuchung und Saprobienuntersuchung wird ein verlässlicheres Bild der Folgen ermöglichen. Dabei muss auch geklärt werden, welche Stoffe möglicherweise über die Schwale weiter in die Stör gelangt sind, in die das Gewässer wenige Kilometer unterhalb der Brandstelle mündet.
Wir stehen hierzu in engem Austausch mit dem KSFV Neumünster und den zuständigen Stellen der Stadt. Sobald weitere Ergebnisse vorliegen, werden wir darüber berichten.


