Mehrere adulte Stromgündlinge schwimmen in einem Aquarium dicht über dem Boden. Sie sind schlanke, silbrig-bräunliche Fische mit deutlichen Barteln an der Maulöffnung. Am Boden liegen Futterreste und kleine Partikel.
Unsere Stromgründlinge stammen aus der Elbe. Die Hälterung erwies sich als unproblematisch, schnell nahmen sie Futter an, Mückenlarven zählen zur Leibspeise.

Jeder Angler kennt Gründlinge. Die bis zu 20 Zentimeter große Art ist in Schleswig-Holstein weit verbreitet und gilt als anpassungsfähig. Doch kaum jemand weiß, dass es hier noch eine zweite Gründlingsart gibt: den Stromgründling (Romanogobio belingi).

Dieser kleine Fisch erreicht höchstens 12 Zentimeter Länge und lebt ausschließlich in der Elbe. Sein bevorzugter Lebensraum ist der Hauptstrom mit sandigem, strömungsreichem Untergrund. In der Nacht zieht er in die flacheren Uferbereiche, wo er sich von Insektenlarven und anderen wirbellosen Tieren ernährt.

Biodiversität hält Gewässer gesund

Für das Gleichgewicht in unseren Gewässern ist die Artenvielfalt von unschätzbarem Wert – und dazu tragen gerade auch die Kleinfische bei. Sie dienen nicht nur Räubern wie Zander und Barsch als Nahrung, sondern „räumen“ selber unter bestimmten Nährtieren ordentlich auf helfen so, die Artengemeinschaften unsere Flüsse im Gleichgewicht zu halten. Außerdem macht die Vielfalt an Arten das gesamte Ökosystem widerstandsfähiger gegenüber Störungen.

Ein Stromgündling ist in Nahaufnahme zu sehen. Die Schuppen glänzen silbrig mit leicht bläulichem Schimmer, am Maul sind die feinen Barteln erkennbar.
Die adulten Stromgründlinge sind hübsch gefärbt.

Fällt etwa der Nachwuchs einer Art aufgrund ungünstiger Umweltbedingungen oder menschlicher Eingriffe aus, können andere Arten diese Lücke schließen – Nahrung nutzen, Lebensräume besetzen und so verhindern, dass das ganze System instabil wird.

Selten und schützenswert

Wie viele andere Fischarten, leiden auch die seltenen Stromgründlinge unter menschlichen Einflüssen. Intensive Lebensraumveränderung wie die Elbvertiefung, Klimawandel, intensive Nutzung der Gewässer und zu hohe Nährstofffrachten setzen vielen Fischarten zu. Auch wenn die Bestände des Stromgründlings momentan stabil sind, muss man ein Auge auf deren Entwicklung haben. Bei einer so seltenen Art reicht schon ein einzelnes Negativereignis – etwa eine Gewässerverunreinigung – und ein Großteil des Bestandes kann verschwinden. Aus diesem Grund setzen wir uns vom Landesangelverband für seltene, aber aktuell nicht direkt bedrohte Arten ein und versuchen Maßnahmen zu treffen um diese Arten zu schützen.

Eine Gruppe winziger junger Stromgründlinge drängt sich am sandigen Boden einer Aquarienecke zusammen. Ihre Körper sind fast durchsichtig, nur Augen und feine Konturen sind deutlich zu erkennen.
Die jungen Stromgründlinge sind nicht gerade scheu – hier warten sie auf die nächste Fütterung.

Erfolgreiche Nachzucht in Alt-Mühlendorf

Ein wichtiger Schritt ist uns in diesem Jahr gelungen: In unserer Anlage in Alt-Mühlendorf konnten wir erstmals in der Elbe gefangene Elterntiere erfolgreich vermehren. Rund 50 Jungfische schwimmen nun gesund und munter in den Becken und wachsen schnell heran.

Unsere Nachzucht eröffnet die Chance, mehr über diese besondere Fischart zu erfahren – und damit die Artenvielfalt in unseren Gewässern auch langfristig zu bewahren.