Am Freitag, 30.06. fand auf Einladung des MEKUN (Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur) unser Konsultationsworkshop zum Nationalpark Ostsee (NPO) in der „Runde Fischerei“ statt. In den kommenden Tagen wird es eine detaillierte, öffentliche Nachlese zu diesem Termin geben. Einen Kurzbericht wollen wir euch aber dennoch schon jetzt geben.

Die erste Präsentation von Franziska Junge, Referentin im Referat Meeresschutz und Nationalpark im MEKUN, skizzierte, dass es der Ostsee nicht gut ginge und nannte einige Gründe dafür. Etwas zu kurz kamen dabei aus unserer Sicht die herausragende Bedeutung der Nährstofffrachten im Zusammenspiel mit der Klimaerwärmung und einem Ausbleiben der Einstromereignisse. Diese Faktoren überragen alle anderen Einflussgrößen bei der Verschlechterung des Ostseezustandes um Längen – und sie werden von einem Nationalpark nicht angegangen.
Auch einige besondere Tierarten und Meeresgründe wurden herausgestellt – und deren Schutzwürdigkeit betont. Dieser Schutz ließe sich jedoch mit bestehenden Schutzgebieten durchaus realisieren bzw. wird bereits realisiert – auch dafür braucht es keinen NPO. Es wurde im Laufe der nachfolgenden Diskussion schnell klar, dass auch unter den meisten Zuhörern Einigkeit darüber herrschte, dass die Ostsee besseren Schutz benötigt und ihr Zustand sich dringend verbessern muss. Von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Nationalparks zur wirklichen Verbesserung des Ostseezustandes konnte aber auch diese Präsentation keinen der Anwesenden überzeugen – wen wundert es.
Im Anschluss sollten fischereispezifische Fragen von fünf Arbeitsgruppen á sieben bis acht Personen beantwortet werden. Nach einer Mittagspause kam Katja Günther, Staatssekretärin im MEKUN, hinzu und dankte allen Beteiligten für ihr Erscheinen und ihren Einsatz im Konsultationsprozess.

Die Ausarbeitung und Auswertung der Antworten zeigte, dass unterschiedliche Bedenken herrschen und Forderungen an die Politik und Ministerien gestellt werden. Die einheitliche Meinung jedoch aller Workshop-Gruppen: Ein Nationalpark Ostsee nützt der Fischerei, der Angelei, dem Angeltourismus und den Fischen nichts! Selbst wenn Potenzialflächen verringert würden, wäre der Negativeffekt eines Fischereiverbotes in den Kernzonen immer noch ein herber Schlag und ein Existenzverlust für viele Beteiligte. Es wurde herausgestellt, dass positive Effekte auf fischereilich genutzte Bestände nicht zu erwarten sind – übrigens auch die Auffassung der Wissenschaft.
Eine positive Botschaft war die Bereitschaft der Beteiligten, sich für den Schutz der Ostsee zu bewegen. Unsere Botschaft dabei: wir wollen die momentane Stimmung und Aufmerksamkeit in der Bevölkerung unbedingt nutzen, um den Zustand der Ostsee maßgeblich zu verbessern – einen Nationalpark Ostsee wollen wir jedoch auf keinen Fall haben! Wir konnten in Zusammenarbeit mit den anderen Workshopteilnehmern in kürzester Zeit tolle Vorschläge machen, wie wir den Ostseeschutz wirklich vorbringen können. Dazu gehören beispielsweise:
- (Weitere) Freiwillige Vereinbarungen im Sinne einer saisonalen Nutzungseinschränkung zum Schutz von z. B. rastenden Meeresvögeln – auch bei Anglern.
- Schaffung und ggf. Kauf von Uferrandstreifen an Gewässern in besonders von Nährstoffeinträgen beeinträchtigten Regionen.
- Eine bessere Vernetzung und Koordinierung der bestehenden Schutzgebiete in der Ostsee ohne Schaffung eines NPO.
- Effizienterer Schutz für laichende Fische durch Schonzeiten und -Gebiete (saisonal).
- Beteiligung von Anglern und Fischern an Umweltbildung zum Erleben und Anfassen – besonders für Kinder.
- Datenerfassung von Fischern zum Monitoring von Wasserwerten und Fischaufkommen.
- Mehr Befugnisse für die HELCOM in EU-weiten Fragen insbesondere bei der Reduzierung landseitiger Nährstoffbelastungen (Deutschlands Einträge sind im Vergleich sehr gering).
- Und vieles mehr …
Die komplette Liste der Ideen werden wir im Detail veröffentlichen, sobald die Zusammenfassung des Workshops auf der Internetseite des MEKUN veröffentlicht wurde.
Diese Ideen zum verbesserten Schutz der Ostsee ohne Nationalpark Ostsee wurden von Staatssekretärin Günther und den weiteren Mitarbeitern des MEKUN begeistert aufgenommen – und sie zeigen, dass unser Slogan „Mehr Schutz für die Ostsee – JA! Nationalpark Ostsee – Nein!“ keine hohle Phrase ist, sondern dass wir es ernst meinen!
Wir wollen eine gesunde Ostsee. Wir sind bereit, uns dafür zu bewegen und auch einzuschränken, wo es sinnvoll ist. Doch wir wollen keinen Verbots-Naturpark, in dem nur Gucken, aber kein aktives Erleben und keine Nutzung erlaubt sind.
